Fotobox Selbstbau inkl. Controller

Vorwort

Ich verleihe schon seit einigen Jahren nebenher Fotoboxen, welche ich selbst gebaut habe. Da nun nach längere Corona-Zwangspause wieder die ersten Termine anstehen und ich die Boxen wieder auf Vordermann bringe, dachte ich mir, ich poste hier mal meine Erfahrungen und erkläre den Zusammenbau und die Technik meiner Boxen.
Im Zuge der Wartung der Boxen habe ich hierfür auch eine kleine Controller-Platine entwickelt, weiteres dazu unten.

Grundsatzentscheidungen

Hier gebe ich kurz und knapp meine Meinung zu den einzelnen Punkten mit Begründung. Es gibt sicherlich für vieles auch sehr gute und sinnvolle Gegenargumente. Was ihr letztendlich verbaut und welche Techniken eingesetzt werden, hängt natürlich nur von euch selbst ab.

Mit oder ohne Drucker?

Von mir ein ganz klares – Nein, kein Drucker. Ich habe das eine Zeit lang probiert und es gibt auch sicherlich genug Gründe dafür. Aber aus diesen Gründen habe ich mich dagegen entschieden:

  • Mehr Technik führt auch IMMER zu mehr Problemen. Das macht es in der Handhabung schwieriger für die Leute und auch das Supportaufkommen steigt(Anrufe, weil der Drucker nicht macht, was er soll)
    • Kein Papier mehr während der Veranstaltung
    • Papier steckt fest
    • Druck funktioniert aus irgendwelchen anderen Gründen nicht
  • Wenn viele Leute gleichzeitig Fotos schießen wollen, zum Beispiel bei einer hohen Gästeanzahl staut es sich vor der Fotobox. Man wundert sich, wie viel langsamer alles geht, wenn ein Drucker dabei ist und dabei rede ich gar nicht von der reinen Druckzeit. Vor allem, wenn sich die Gäste auch noch selbst entscheiden können, ob sie das letzte Bild drucken wollen. Fazit: Weniger Zeit für tolle Fotos und einige Gäste überlegen es sich vermutlich anders, wenn sie 10 min warten müssen, um ein Foto zu machen
  • Die meisten Fotos landen eh in der Tonne oder überleben den Abend einfach nicht. Wenn man wirklich ein tolles Andenken von dem Abend möchte, sieht man sich nachher alle Fotos der Party an und druckt sich die zwei aus, die einem gefallen.

Live Gallerie während der Veranstaltung?

Keinesfalls. Habs ein paar mal versucht – Ist den Aufwand nicht wert. Vielleicht für eine Firmenfeier, wo ihr dann schnell mal das doppelte oder dreifache nehmt und dafür auch mehr Leistung bereitstellt.

Externer Blitz oder Kamerablitz?

Um einen externen Blitz kommt man nicht herum. Vor allem, wenn die Entfernung zu den Personen ein paar Meter beträgt, braucht man einen Blitz mit Leistung. Zudem sind 90% der Einsätze nicht bei Helligkeit, sondern eher in Party-Hallen, Tanzsälen usw. und zu Abend-Zeiten. Daher ist es dort relativ dunkel. Ein Kamerablitz bringt dafür im Normalfall einfach zu wenig Leistung und die Bilder werden ebenfalls eher dunkel.

Funkauslöser, Kabelauslöser, Knopf an der Box?

Da scheiden sich die Geister. Ich nutze seit 4 Jahren immer noch die gleichen beiden Funkauslöser. Ja – die fliegen auch wohl mal auf einer Party durch die Gegend, sind aber am nächsten Tag bisher immer wieder da gewesen. Wichtig ist, diese robust zu bauen. Mehr Informationen zu den Bauteilen und der Technik gibts unten.
Es muss aber immer auch ein Auslöser an der Fotobox selbst sein. Sollte ein Funkauslöser mal den Geist aufgeben, muss es weiterhin möglich sein ein Foto zu machen.

Brauche ich einen Touchscreen?

Ich würde stark davon abraten. Wie oben schon geschrieben, bin ich eher ein Fan davon möglichst vielen Leuten auf der Party die Chance zu geben Fotos zu machen und dann auch mehrere, damit man sich die besten heraussuchen kann. Ein Touchscreen auf dem man wohl möglich auch noch Templates oder ähnliches auswählen kann, kostet Zeit und blockt. Zudem sind diese zumeist relativ empfindlich und die Leute auf den Partys sind ja schließlich nicht immer die nüchternsten. Daher lieber ein normales Display, dass nur die Fotos anzeigt, mit einer Plexiglasscheibe als Schutz davor.

Welche Kamera wird benötigt?

Keinesfalls die neuste Hightech Kamera. Ich nutze in meinen Boxen immer Canon EOS 550D DSLR-Kameras. Diese kaufe ich gebraucht Ebay und sind meiner Meinung nach völlig ausreichend. Man kann auch gern ein paar Euro mehr ausgeben, aber man sollte nicht übertreiben. Die ganzen tollen neuen Funktionen werden eh nicht genutzt. Wichtig wäre, in allen Fotoboxen ähnliche Kameras zu verbauen. Dann muss man nicht auf verschiedene Anschlüsse/Kabel achten.

Vorstellung meiner Fotobox

Features

  • DSLR-Kamera
  • Intel NUC Rechner mit DSLRBooth
  • Display zum Anschauen der Bilder
  • LED-Ring, welcher den Auslösestatus anzeigt(zieht auch die Aufmerksamkeit auf sich und sorgt dafür, dass alle möglichst in die Kamera schauen.)
  • Auslösen der Knopf an der Box oder per Funkauslöser
  • Controller-Platine zum Einstellen der LED-Farbe und Auslösezeit
  • Externer Blitz kann direkt auf die Box gesteckt werden

Bauteile Liste

Gehäuse MegaCase

Ich habe hier zufällig noch 1:1 mein Gehäuse aus meiner Bestellung gefunden. Großer Vorteil ist, dass die Tür abnehmbar ist. Das Loch für die Kamera und das Display muss man sich selbst vorne reinschneiden. Wenn man die Maße kennt, kann man das auch bei MegaCase für ein paar Euro mehr machen lassen.


Kamera – Canon EOS 550D

Wie oben schon geschrieben, nutze ich Canon EOS 550D DSLR Kameras. Diese kaufe ich meist auf Ebay gebraucht. Wenn ich mir heute nochmal neue Boxen bauen würde, würde ich mir eine Kamera aussuchen, welche ein paar Nummern neuer ist. Aber auch nur, weil die EOS 550D mittlerweile schwerer zu bekommen sind.


Rechner – Intel NUC

Als Rechner kommen bei mir Intel NUC mini PCs zum Einsatz. Diese nehmen nicht viel Platz ein und bieten alles, was man braucht. Auf die Leistung kommt es hierbei gar nicht so an. Wenn der Rechnung genug Leistung für Windows 10 hat, wird auch DSLRBooth darauf laufen.
Ich meine, dass meine immer so zwischen 200 € und 300 € lagen. Ein teureres Gerät wird nicht benötigt.


Externer BlitzAmazon

Ich habe damals dieses Blitzset von Amazon gekauft und bin bis heute zufrieden damit. Die Leistung reicht aus und man kann auch Dauerlicht aktivieren, falls nötig.


Display Amazon

Ich habe mir dieses Display von Amazon geholt. Das passt von der Größe perfekt in die Box und als Stromanschluss reicht bereits ein Mirco-USB Anschluss.


Kleinteile

Doppelstecker mit USB-Anschlüssen
für die Stromversorgung der Box
Amazon
Boxenflansch und Ständer
zum Aufstellen der Box. Damit der Flansch gut
hält sollte die Bodenplatte der Box noch
verstärkt werden.
Flansch
Ständer
Mini-Tastatur mit Touchpad – mit Kabel
darf keinesfalls fehlen. Es kommt immer
mal vor, dass man den PC bedienen muss.
Am besten einen Platz direkt in der Box hierfür
vorsehen.
Amazon
Externes Netzteil für Kamera
je nachdem welche Kamera genutzt wird

Zusammenbau

Der Zusammenbau fällt nach meiner Ansicht unter künstlerische Freiheit :-). Ich zeige hier im Folgenden mal ein paar Bilder meiner Fotobox:

Fotobox-Controller

Ich habe mir damals schon eine kleine Schaltung zusammen gelötet, welche den Auslösemechanismus in der Box steuert. Da ich davon vollkommen überzeugt bin und dies über die ganzen Jahre hinweg super funktioniert hat, habe ich daraus eine kleine Platine gebaut. In folgendem Video ist der Auslöseprozess einmal kurz gezeigt:

Controller in der Box

Der Controller in der Fotobox besteht aus einer Platine in Ringform. Außen herum sind WS2813 LEDs, welche in allen Farben leuchten können. Gesteuert wird alles von einem ESP32 Mikrocontroller. Am Display sieht man die Auslösezeit(Wie lange es nach dem Auslösen bis zum Foto braucht) und die Farbe, in der der Ring leuchten soll. Der ESP32 besitzt ein Funkmodul, mit dem auch direkt externe Buzzer gekoppelt werden können.

Technische Details zur Platine

StromversorgungÜber 5V Terminals(USB Kabel auflegen)
oder Micro-USB direkt an den ESP32
Auslöser-AnschlussWie oben bereits geschrieben, verbaue ich zusätzlich zu meinen Funkauslösern auch immer einen Auslöse-Knopf direkt an der Fotobox. Dieser kann hier direkt angeschlossen werden(auch mit 3-6V LED).
Shutter-AnschlussDamit die Kamera uch auslöst wird ein Kabel zur Kamera benötigt und angeschlossen. Bei meinen EOS 550 Kameras ist das z.B. so eins: Amazon. Dies muss durchgeschnitten und dann an der Platine angeschlossen werden. Leider hat da jeder Kamera-Hersteller einen anderen Anschluss. Daher konnte ich keinen generellen Stecker verbauen
Display-AnschlussAnschluss für ein 128×64 OLED SPI Display
2 Buttons auf der Platine1x zum testweisen Auslösen des Mechanismus und
1x zum ändern der Einstellungen(Farbe, Auslösezeit). Zum ändern der Auslösezeit muss der Knopf länger gedrückt gehalten werden.
Genereller PinoutFalls noch andere Funktionen hinzukommen kann der Pinout genutzt werden. Die Belegung ist in der Schematischen Zeichnung im Github Repository zu finden.

Controller kaufen

Den Controller biete ich mit benötigtem Zubehör und aufgespielter Firmware in meinem Shop an.

Aufspielen der Software

Die Software habe ich mit VSCode und PlatformIO erstellt. Wer diese selbst aufspielen möchte, findet hier eine gute Anleitung zum Einrichten der Umgebung: Getting Started with VS Code and PlatformIO. Alle Dateien zum Aufspielen sind in dem Git-Repository: Photobooth-Controller.

Funkauslöser

Der Buzzer bzw. Funkauslöser ist sehr einfach zu bauen und sollte auch ohne umfassendes technisches Verständnis kein Problem darstellen.

Features

  • Dank Fireebeetle32 sehr lange Laufzeit. Es ist kein An/Aus Knopf nötig. Der Auslöser kann also immer eingeschaltet bleiben. Siehe dazu meinen Blog-Beitrag: Energieverbrauch – ESP32
    • Ich habe eine 500mAh Batterie verbaut, welche theoretisch 178 Events oder 1600 Tage im Schrank hält.
  • Sehr Robust
  • Aufladen per Wireless-Charge. Das Gehäuse muss niemals aufgeschraubt werden.

Bauteile

Firebeetle32
AliExpress oder bei mir in Shop
Grobhandtaster
Damit genug Platz für den Wireless Charger ist, sollte es genau dieses Model sein.
Amazon
3,7V Lipo
Entweder direkt mit einem PSH2.0 Anschluss oder man lötet die beiden Kabel einfach direkt an den Firebeetle32. Eine Kapazitäöt von 500 mAh reicht dabei schon locker aus. Meiner kommt z.B. aus einem alten Funk-Hubschrauber 🙂
Amazon
AliExpress
Wireless Charger Receiver
Dieser wird direkt per Micro-USB an den Firebeetle angeschlossen und kümmert sich um das Laden von der Lipo Batterie
Amazon
AliExpress
Wireless Charger
Das Gegenstück zum Receiver
Amazon
AliExpress

Zusammenbau

Den Zusammenbau zeige ich hier kurz und knapp anhand einer Bilderstrecke.

Hier sieht man einmal die benötigten Materialien

Die Batterie wird direkt an den Firebeetle32 gesteckt oder gelötet. Außerdem muss man für den Auslöser ein Kabel an GND und eins an IO25 löten. Diese beiden werden am Terminal des Grobhandtaster angeschlossen.

Die Batterie habe ich einfach mit einem Kabelbinder befestigt.

Den Wireless Charge Receiver habe ich einfach mit Heißkleber am Boden befestigt und dann in den Firebeetle32 gesteckt.

Dann kann der Gehäuse auch schon wieder zugeschraubt werden. Damit nichts rappelt, habe ich einfach ein Stück Schaumstoff mit reingequetscht. Da bewegt sich nun nichts mehr.

Schreibe einen Kommentar